Baden und Schwimmen in Deggendorf

 Erinnerungen an das idyllische Freibad im Stadtpark

mit einer Geschichte der Freibäder in Deggendorf und des Schwimmsportes
 

Damen baden im Fluss, Maler nicht bekannt, um 1640

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Quellen:

  • "Das Baden war früher eine Angelegenheit der Sittlichkeit - Aus der jahrhundertelangen Bädergeschichte der Stadt Deggendorf" von dem 1981 verstorbenen Archiv - und Heimatpfleger Erich Kandler, Vater des jetzigen Stadtarchivars Erich Kandler, in der Deggendorfer Zeitung vom 30. August 1968, Nr.199
     

  • Akten des Stadtarchivs Deggendorf -STAD -  V Fach 51: Errichtung von Badeanstalten
     

  • "Zwei Physikatsberichte des Landgerichtes Deggendorf aus den Jahren 1830 und 1860 ",
    Beitrag von Johannes Molitor, in "
    Deggendorfer Geschichtsblätter", Heft 6/1986, Seiten 99 bis 143;
    Die Physikatsberichte wurden zwischen 1858 und 1861 von den damaligen Landgerichtsärzten für alle ehemaligen bayerischen Landgerichtsbezirke erstellt. Der liberal eingestellte König Maximilian II. von Bayern wollte genaue Angaben über die Lebensverhältnisse, Beschwerden und Wünsche seiner Bevölkerung haben, um entsprechend reagieren zu können. So entstand Anweisung an die Bezirksärzte, sogenannte Physikatsberichte (Physikat — Gesundheitsamt) zu erstellen. Die Physikatsberichte befinden sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek, an die sie 1913 vom Statistischen Landesamt abgegeben wurden.
     

  • "Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Landkreis Deggendorf in Augenzeugenberichten, Teil 2" Beitrag von Johannes Molitor,, in "Deggendorfer Geschichtsblätter", Heft 17/1996, insbesondere Seite 349 ff. "Weshalb die Bogenbachbrücken nicht gesprengt wurden", und " Die letzten und die ersten Tage, Wie sie ein Deggendorfer Volkssturmmann erlebte".
     

  • "Zauberhaft - real mein Deggendorf" von S.Michael Westerholz (Verlag Weiß, Deggendorf)
     

  • "150 Jahre TSV von 1861 -Deggendorf e.V., Portrait eines Sportvereines", Festschrift Jahr 2011


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I.       Geschichte des Bäderwesens der Stadt Deggendorf

II.       Erste Freibäder 

III.       1926/1927:
            Bogenbachregulierung; endgültiges Ende des Bades im "Bogen"


IV.     
6. Februar 1945:
           Ende der Badeanstalt an der Donau

V.        Das Alte Bad bei der Kgl. Kreis-Irrenanstalt im Stadtpark

VI.      1935-1936:
            Das Freibad  der Reichswehr im Stadtpark

VII.    1937:
           Großes Schwimm - und Volksbad, oberhalb der Infanteriekaserne,

           am Rande der alten  Straße nach Mietraching

VIII.    Um 1940
           Schwimmen im Kohlbach

IX.      Wasserfall am "Wehr" im Kohlbach

X.       
Das Freibad im Stadtpark


I. Ein Blick zurück in die Geschichte des Bäderwesens der Stadt Deggendorf

Auch wenn der Zeitpunkt des Beginnes des reglementierten  Badens in einem Freibad in der Stadt Deggendorf mit ziemlicher Sicherheit auf das Jahr 1864 festgelegt werden kann, scheint es zum besseren Verständnis angebracht, vor weiteren Ausführungen darüber  einen kurzen Blick auf das Bäderwesen  im Allgemeinen und unserer Stadt im Besonderen in der weiter zurückliegenden Vergangenheit zu werfen. Sehr instruktiv sind dazu die Ausführungen des 1981 verstorbenen Archiv - und Heimatpflegers Erich Kandler, Vater des jetzigen Stadtarchivars Erich Kandler, in der Deggendorfer Zeitung vom 30. August 1968, Nr.199:

 

 

Szene in einem mittelalterlichen Badehaus
mit Musikanten (!), um 1470


"Im Mittelalter und noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Baden viel weiter verbreitet, als allgemein angenommen wird. Jede Stadt, jeder Markt, ja sogar viele größere Dörfer hatten eigene Badehäuser, oder wie man damals sagte, Badestuben. Diese Badestuben waren meist Privatbesitz. Doch es gab auch solche, besonders in den Reichsstädten, welche dem Rat gehörten und verpachtet wurden. Der Inhaber dieser Badestuben hieß kurzweg der "Bader". Der Bader hatte außerdem das Recht, den Besuchern den Bart zu scheren, zu schröpfen und zur Ader zu lassen...

In alter Zeit gab es viel Unfug in den öffentlichen Bädern, und die Moral wurde durch sie sicher nicht gehoben; zu Pestzeiten erwiesen sie sich geradezu als Ansteckungsherde, ebenso wurden, wenn das Wasser nicht öfters erneuert wurde, auch andere ekelhafte Krankheiten verbreitet. Um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts wurden die Bäder immer weniger benutzt und viele gingen deshalb ein. In unserer Stadt waren ehemals drei Bäder, davon eins in der Lateinschulgasse (heute Hs.Nr. 6 und 8) genannt das Schulbad. Das zweite in der Heroldsgasse (jetzt Westliche Zwingergasse 5 und Bahnhofstraße 22), früher ein Haus. Das dritte Bad war in der Kramgasse (heute Pfleggasse 22)."

Und hier lohnt es sich zur Vertiefung einen Blick in den Beitrag von Johann Molitor  "Zwei Physikatsberichte des Landgerichtes Deggendorf aus den Jahren 1830 und 1860" in den  vom Geschichtsverein Deggendorf herausgegebenen  "Deggendorfer Geschichtsblättern" zu werfen. Dort ist  in  Heft 6/1986   unter "II. Die medizinisch-topographische und ethnographische Beschreibung des Physikatsbezirks Deggendorf von 1860"  unter 5): "Nahrungsquellen, Nahrungsmittel, Lebensweise etc. etc." ausgeführt:

"Reinlichkeit in u. auser den Häusern ist im Allgemeinen zufrieden, nur beim Kleinhäuslern etc bes. in dem gebirgigen Theile des Bezirkes ist häufig Schmutz im Hause u.a. Wäsche und Kleidung; Waschen u. Baden wird da vermist. Dagegen herrscht in Deggendorf u. bei den Wohlhabendem auf dem Flachlande u. bei der Jugend Sinn für Reinlichkeit des Körpers, der Kleidung etc. in jeder Beziehung, besonders fürs Baden in fliesenden [!] Wasser, Freien u. eignen Badehäusern, deren es zwei in Deggendorf u. 1 in Plattling giebt ".

Unter Fußnote 66 zu diesem Bericht führt der Autor des Beitrages aus:

"Im StAD (Stadtarchiv Deggendorf) V/51 finden sich mehrere Hinweise auf frühe Badeanstalten in Deggendorf. Schon am 5. 7. 1834 wurde dem Bierbrauer Michael Haidn (Haus Nr. 155 — Luitpoldplatz 12, Bayerische Vereinsbank), die Errichtung einer Badeanstalt gestattet. Er hatte lang an einem Fußübel gelitten und wurde durch das Baden in einer Quelle mit besonders gesundem Wasser in seinem Grundstück außerhalb des Pflegtors (am Ende der Pfleggasse) geheilt. Das Wasser leitete er durch Röhren zu seinem Haus (wohl nicht die Nr. 155, da zu weit entfernt). Gerichtsarzt Dr. Schobacher hatte in einem Gutachten erklärt: Die Errichtung einer Badeanstalt . . , ist auf alle Fälle eine sehr erwünschte Sache. Das Wasser der Quelle sei sehr weich, doch ohne anderweitige  Heilkräfte. Auch dürften  keine  Arneystoffe   (=Arzneistoffe!) hinzugefügt werden. Michael Haidn verpflichtete sich, für die Handhabung des Anstandes und der Sittlichkeit streng zu wachen... Im März 1843 suchte der Regensburger Bote Leopold Vogl um Genehmigung einer Badeanstalt mit eigenen Badezimmern bei seinem Haus an der Donau nach (Haus Nr. 410 = Hafenstraße 24, heute Bahnhof Hafen). Damit wollte er dem Publikum einen wesentlichen Dienst leisten. Dies wurde ihm bewilligt. Dr. Schobacher hatte von der „medizinisch-polizeilichen" Seite keinen Einwand... 1854 kaufte der Straubinger Badbesitzer Alois Häusler für 3500 fl. das Anwesen Nr. 410 von Vogls Witwe. Häuslers Schwager, Joh. Bapt. Friedl, verzichtete 1858 auf die Ausübung des Badegewerbes. Dies hing vielleicht mit dem Bau einer Badehütte im Bogenbach durch den Schneider Vinzenz Huber im Jahr (1859) darauf zusammen."

Interessant hierzu wieder die Ausführungen von Archiv- und Heimatpfleger Erich Kandler a.a.0:

"In diesem Jahre (1859) erbaute Huber nächst seinem Haus am Bogenbach eine Badehütte. 1864 bat er um die Erlaubnis, einen Raum zum "Baden im Freien" oberhalb dieser Badhütte eröffnen zu dürfen. Er wolle ihn am linksseitigen Ufer durch eine Hütte aus Brettern, mit einem Leinwanddach  am rechten Ufer, mit Stauden abschließen. Die Hütte sollte zum Aus- und Ankleiden dienen, die tiefste Stelle des Wassers sollte durch eine Stange bezeichnet werden. Der Stadtmagistrat hatte nichts gegen diesen Plan, verlangte aber, daß dabei die Sittlichkeitsrücksichten gehörig beobachtet werden, insbesondere, daß die Badenden der Schwimmhosen sich bedienen und das Aus- und Ankleiden dem allgemeinen Anblick entzogen sei...

Im Sommer 1867 stellt das Bezirksamt mit Entrüstung fest, dass die ortspolizeilichen  Vorschriften über das Baden im Bogenbach nicht eingehalten würden; so würden "Kinder und Erwachsene untereinander baden und auch eine Abschneidung der Geschlechter nicht stattfinden"....Den Frauen war das freie Baden überhaupt verboten; in einer Anweisung vom Mai 1868 an die Polizeisoldaten und die Flurwächter hieß es, daß sie nicht zu dulden hätten, "daß sich Weibspersonen und Mädchen dort badeten".

Im Jahre 1873 weist das Bezirksamt den Magistrat auf die Notwendigkeit hin, in der Donau eine Bade- und Schwimmanstalt zu errichten... Die einzige Badegelegenheit in der Bogen habe bekanntlich "die empfindlichen Schattenseiten gegen sich"... Da auch die Regierung von Niederbayern den Mangel einer Badeanstalt gerügt hatte, mussten die Deggendorfer Stadtratsmitglieder wohl oder übel in den saueren Apfel beißen und, da sich kein Privatunternehmer fand, nun selbst eine Schwimmanstalt errichten. Man wählte aber nicht die Donau, sondern den Bogen... Man ernannte eine Kommission..., diese wählte den Platz unweit der Angermühle als geeignet. Von Landshut ließ man sich die Pläne der dortigen Anstalt kommen , dazu die Badordnung. Den (privaten) Badeanstaltsbesitzer Huber (siehe oben), fand man mit 25 Gulden ab."

Damit war es soweit! Das erste Deggendorfer Freibad, Träger die Stadt Deggendorf, konnte errichtet werden!
                                                                                                                                                                                        
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II. Die Freibäder

8. August 1874 - Errichtung einer Städtischen Schwimm- und Badeanstalt im Bogenbach

Der aus dem Graflinger Tal kommende Bogenbach, der im Oberlauf den Namen Kollbach, bis zur Einmündung des Hammermühlbaches den Namen Kohlbach (von Kohle, Holzköhlerei) und von dort ab den Namen Bogenbach führt,  floss damals, wie aus nachstehenden Bildern ersichtlich, am Rande des damaligen Stadtgebietes - heute wäre dies mitten durch die Stadt - an der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt vorbei und mündete etwa auf der Höhe des heutigen Flussmeisterhauses in die Donau.

 

Wo die oben erwähnte "Badehütte" 1859 von Vinzenz Huber  im Bogenbach genau errichtet worden ist und wie sie aussah, konnte ich nicht ausfindig machen. Wie man an den Bildern deutlich erkennen kann, war der Bogenbach damals noch nicht von Dämmen eingefasst. Die "Badehütte" konnte also praktisch fast überall entlang des Baches aufgestellt werden. Nach den ganzen Umständen ist anzunehmen, dass sie  knapp oberhalb des auf dem ersten Foto links oben abgebildeten landwirtschaftlichen Anwesens, "unweit der Angermühle" aufgestellt war,  also etwa zwischen der heutigen Hindenburg – und Bahnhofstraße.

Nachstehend ein "Situationsplan" des Bades:

 


Plan: Akten des Stadtarchivs V/51

Interessant darin die "Erklärungen" rechts unten, woraus sich die Trennung sowohl der Aus- und Ankleideräume als auch der Badeanstalt für Herren und Damen ersehen lässt

Nachfolgend der Plan des Fachwerkbaues für die Wohnung des Badewärters und Schwimmlehrers. Daneben ein Foto des nach dem Plan errichtete Hauses, im "Situationsplan" oben rot eingezeichnet, für den Schwimm-Meister. Interessant, dass der Bogenbach auf dem Plan noch einen Bogen vorne um das  Haus macht , auf dem Foto unten infolge der Bachverlegung (siehe weiter unten) dann  hinter dem Haus verläuft.

      Bild: Akten des Stadtarchivs V/51                  Foto: Lausmann Katharina,geb.Brunner,

Dieses Haus wurde zusammen mit dem Bau der Badeanstalt errichtet, also etwa 1874 (vgl. weiter unten) und wurde im ursprünglichen Zustand bis 1927 für die Städtische Schwimmschule genutzt. 1927 wurde es renoviert. Unter anderem baute man einen Abort ein, um es anschließend als Jugendherberge nutzen zu können. Später, wann genau konnte ich nicht ermitteln, wurde es dann vermietet. Seit 1941 bewohnte es die Familie Brunner. Deshalb wurde es in der Bevölkerung nur mehr das "Brunnerhäusl" genannt. Vermutlich 1969/70 wurde es abgerissen, weil der Platz für das dort errichtete Hallenbad benötigt wurde.

Die erste Städtische Schwimm -und Badeanstalt im Bogenbach wurde am 8. August 1874 errichtet. Hier ein Foto des Bades, "aufgenommen in den zwanziger Jahren, mit einer großformatigen Kamera auf einer beschichteten Glasplatte" (so Stadtarchivar Erich Kandler):

Bilder - auch oben -  Stadtarchiv Deggendorf

Das Bild unterstreicht, dass dies der Platz ist, den ich vorstehend erwähnte, und man kann dies eindeutig dadurch nachweisen, dass man dieses Bild und das ganz oben links digital übereinander kopiert. Sie sind nämlich fast deckungsgleich. 

"Das Bad wurde auf einer Länge von etwa 40 m in den Bogenbach eingebettet. Für den notwendigen Wasserstand im Bad sorgte man durch Öffnen und Schließen von zwei Schleusen. 1875 wurde der oben erwähnte Vinzenz Huber als Badewärter aufgestellt, dessen Privatbadeanstalt mit der errichteten städtischen Badeanstalt für die Dauer seiner Beschäftigung vereinigt wurde." (Kandler a.a.O.)

Dieses erste Deggendorfer Freibad war unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse eigentlich sehr schön und auch schon zweckmäßig gestaltet, mit Liegewiesen, offenbar einer Abtrennung des Schwimmerbereichs vorne durch eine Stange vom Nichtschwimmerbereich hinten. Ob einer der beiden bekleideten Bademeister im Hintergrund der erwähnte Vinzenz Huber war, erscheint zweifelhaft. Ausgeschlossen aber ist es nicht. Möglicherweise handelt es sich bei der Hütte direkt hinter dem linken Bademeister, der Kleidung nach offenbar der "Chef", um seine Badhütte. Wie erkennbar, hatten die Badenden, Deggendorfer Bürger, Spaß an ihrem Freibad mitten in der Stadt!

Auffallend ist, dass keine Frauen zu sehen sind. Der Grund hierfür war die strikte Trennung der Geschlechter. Frauen und Mädchen durften das Bad zwar täglich, aber nur in der Zeit von 2 bis 3 Uhr aufsuchen.

Nachstehend ein Bild der separaten Frauenbadeanstalt, aufgenommen Pfingsten 1932, welches mir freundlicherweise der Journalist Michael Westerholz zur Verfügung gestellt hat

 

Wie schon ausgeführt, handelte es sich nicht nur um ein Bad, sondern auch um eine Schwimmschule. Der kostenpflichtige Schwimmunterricht, 15 Pfennig,  wurde vom Schwimm-Meister durchgeführt. Nachfolgend ein Auszug aus den "Vorschriften für die Benützung der städtischen Schwimm-Schule und Badeanstalt":

Bild: Akten des Stadtarchivs V/51

Aus den peniblen Aufzeichnungen in den Akten des Stadtarchivs ist zu ersehen, dass dieser Schwimmunterricht sich wachsender Beliebtheit erfreute, vor allem beim weiblichen Geschlecht und die Einnahmen von zunächst etwas über 25 Mark auf über 47 Mark anwuchsen. "Da der Zuspruch des schöneren Geschlechtes  von Jahr zu Jahr stieg, wurde der Bau eines eigenen  Schwimmbeckens notwendig. Man behalf sich damit, dass durch eine Bretterwand etwa 8 Meter des Herrenbades abgetrennt wurden". (Kandler a.a.O) Offenbar ist dies die Bretterwand im hinteren Teil des obigen Bildes der Badeanstalt. "Man erwog sogar den Bau eines eigenen Damenschwimmbades weiter unterhalb, sah aber davon ab, weil der Plan eines eigenen Schwimmbades in der Donau auftauchte und schon 1899 verwirklicht wurde" (Kandler a.a.O).

Erste Schwierigkeiten gab es mit einem Pferdehändler, der den Bogenbach einige hunderte Meter oberhalb des Bades  als Schwemme für seine Pferde benützte und diesen dadurch mit Schmutz und Fäkalien verunreinigte. Mehr und mehr wurde das Bachwasser auch durch eingeleitete Abwässer verunreinigt, nach Meinung des Magistrats vor allem durch die der weiter oberhalb gelegenen Kgl. Kreis- Irrenanstalt im Stadtpark (siehe V). Allerdings verwehrte sich die Führung der Anstalt in einem längeren Schriftwechsel entschieden dagegen.

Großen Schaden richtete ein  Hochwasser im Winter 1882/83 in der städtischen Schwimmschule an (Chronik der kgl. Bayerischen unmittelbaren Stadt  Deggendorf, zusammengestellt von Gg. Bauer Mitglied des historischen Vereins für Niederbayern Auflage von 1894)


25. Januar 1906 - Auflassung des Bades im Bogenbach

Ungeachtet der Einwendungen der Leitung der Kgl. Kreis-Irrenanstalt  im Stadtpark wurde mit der am 25. Januar 1906 bei der Festsetzung des Kommunaletats für 1906 gebrachten Anregung, "die städtische Badeanstalt im Bogenbach schon heuer aufzulassen, weil der Betrieb dieses Bades für die Stadtgemeinde nur Kosten verursache und aus hygienischen Gründen nunmehr untunlich erscheint" vom Stadtmagistrat die Badeanstalt nicht nur der Kosten wegen, sondern auch aus diesen hygienischen Gründen einstimmig wie folgt beschlossen:

"es sei das städt.Bad im Bogenbach schon heuer aufzulassen, die Wohnung dem Schwimmmeister Reisinger bis auf Weiteres unentgeltlich zu belassen.

Cond. 2. Mai 1906
Der Stadtmagistrat beschließt einstimmig auf den Beschluss vom 25. Januar betr. Auflassungder Badeanstalt im Bogenbach zu bestehen und die kgl.Stadtbezirks-schulinspektion um Bestimmung  geeigneter Badegelegenheiten für das Donau-bad zu ersuchen."                  
 

Damit war das Schicksal der Badeanstalt im Bogenbach besiegelt, wenngleich es noch bis zur endgültigen Zerstörung im Rahmen der Bogenbachverlegung (siehe weiter unten) vor allem von Kindern genutzt wurde, allerdings ohne Beaufsichtigung durch den langjährigen und letzten Schwimm-Meister Reisinger.

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10. Juni 1899 - Errichtung einer Badeanstalt an der Donau

Obwohl die Schwimmanstalt im Bogenbach der Bachregulierung weichen musste, war die Stadt Deggendorf nicht ohne Schwimmbad, denn seit 1897 plante sie eine zweite Badeanstalt bzw. ein Badefloß zu erbauen, mit dem Standplatz am linken Donauufer unterhalb der Donaubrücke. 1898 wurde der Auftrag nach einem Kostenvoranschlag in Höhe von 11.432,50 Goldmark an den Deggendorfer Bauunternehmer Josef Hollweck erteilt.

 aus Akten des Stadtarchivs V/51

Dieses Bad/Badefloß  wurde am 10. Juni 1899 eröffnet. In den Wintermonaten wurde es alljährlich in den Deggendorfer Hafen geschleppt. In der Nacht zum 13. November 1916 aber riss ein starker Weststurm das Badefloß los, es wurde von der Strömung erfasst, trieb ab und strandete auf einer Sandbank unterhalb der Halbmeile. Es wurde repariert, aber erst am 18. Juli 1918 wieder dem allgemeinen Besuch zugeführt.

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3. Juli 1924 - Neue Badeanstalt an der Donau

1924 baute die in diesem Jahre als Tochtergesellschaft der Gutehofnungshütte (GHH) aus Oberhausen gegründete Deggendorfer Werft- und Eisenbau GmbH (DWE) im Auftrage der Stadt für 26.000 Reichsmark nach Plänen des damaligen Stadtbaurates Donhauser eine neue Badeanstalt, die damals als die schönste in Bayern galt.

Diese Schwimmanstalt, im obigen Bild links noch auf dem "Trockendock", ersetzte das reparierte Floß. Ihr Liegeplatz befand sich, wie sich aus dem auf nachstehendem Foto grün markierten Umriss ergibt, zunächst eindeutig auf der linken Donauseite, und zwar etwas oberhalb der damaligen Einmündung des im Vordergrund erkennbaren Bogenbaches in die Donau.
 

 

Nachstehend ein Foto der Schwimmanstalt - wohl von der Donaubrücke aus gesehen.



"Das Ufer in Deggendorf 1909"
Foto zur Verfügung gestellt von Dr.Rainer Buchmüller, Deggendorf aus einem Kalender "Deggendorfer in alten Bildern". Der Abdruck erfolgt mit Genehmigung des Herausgeberverlages Utz Benkel, Bundesallee 79, 121 Berlin.

*

Nachstehend ein weiteres Bild der Badeanstalt aus der Zeitschrift
"Der Bayerwald, illustrierte Zeitschrift für Geschichte, Kulturgeschichte und Volkskunde, Naturpflege, sowie zur Förderung des Fremdenverkehrs und der Touristik im Bayerischen Wald",
23. Jahrgang, November/Dezember 1925, Heft 11/12,
zur Verfügung gestellt von Frau Hella Weinschenk, Deggendorf.

Der frühere Journalist der PNP S. Michael Westerholz führt darüber in seinem Buch "Zauberhaft - real mein Deggendorf" (Verlag Weiß, Deggendorf) aus:

"Um 1920 lag am Donauufer in Höhe des heutigen Winterhafens eine schwimmende Badeanstalt als unerhörte Neuerung, nach den „Schwimmschulen“, wie es eine im Bogenbach bei der Angermühle, gegeben hatte. Der Neubau auf der Donau war so eingerichtet, dass Männer und Frauen getrennt voneinander badeten“.

Sehr informativ ist diese "Neue Badeanstalt" in dem mir von Herrn Westerholz zur Verfügung gestellten, auszugsweise wiedergegebenen Beitrag im Straubinger Tagblatt vom 12. Juli 1923 beschrieben.

Die Deggendorfer Zeitung lieferte darüber in der Ausgabe vom 5.November 1999 folgende Beschreibung:

"Das 41 Meter lange und 14 Meter breite mobile Bad war für Frauen und Männer getrennt zu benutzen und verfügte über eine der ersten Brausen. Das Duschwasser floss nur mittels einer Handpumpe. Jeder Frühjahr wurde das Bad vom Winterhafen zum (damaligen, unterhalb der Werftanlagen liegenden) Ruderhaus geschleppt und in der Donau verankert."

 

Foto: Stadtarchiv

Die Badeanstalt war, wie sich aus dem weiter oben gezeigten Bild in der Deggendorfer Zeitung ersehen lässt,  in ein Bad für Männer und eines für Frauen gegliedert. Das obige Foto zeigt offensichtlich das Frauenbad, denn es sind keine Männer zu sehen. Ihnen war, so vermute ich, nicht nur das Baden, sondern aus Gründen der Sittlichkeit der Zugang zum Frauenbad überhaupt verboten. Die zwei  voll bekleideten Herren links scheinen, wie auch die beiden in der Schwimmschule am Bogenbach oben, das Amt des Bademeisters auszuüben. Der „Galgen“ neben dem  Bademeister an der linken Seite des Bildes diente vermutlich dazu, den Schwimmschüler mittels eines Bauchgurtes in das Wasser zu lassen, wie es Badmeister Reichel (siehe weiter unten) im späteren Freibad praktizierte und wie es Honorè Daumier in dem Litho   „Schwimmunterricht“ aus der Serie „Les Baigneurs“ 1841 - direkt daneben - meisterhaft karikiert hatte. Eine Schwimmlehrmethode, die damals offenbar üblich war.

Wie mir vier Zeitzeugen, geboren 1932, 1934, 1935 und 1936, von denen zwei noch dort selbst gebadet hatten, glaubhaft berichteten, wurde die Schwimmanstalt in den vierziger Jahren zu Sommerbeginn vom Winterhafen am linken Donauufer nunmehr auf die Fischerdorfer Seite gezogen und oberhalb der Donaubrücke, direkt oberhalb des auch damals schon vorhandenen so genannten Sporns, verankert. Ein Grund könnte gewesen sein, dass der ursprüngliche Liegeplatz für die Deggendorfer Werft und Eisenbau GmbH benötigt wurde.

Leider blieb die Suche nach einem Foto vom neuen und letzten Liegeplatz bis jetzt ergebnislos.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der 1861 gegründete TSV Deggendorf im Zusammenhang mit der Errichtung dieser Schwimmanstalt 1924 eine eigene Schwimmriege gründete. Bis dahin wurde, wie in der  Festschrift des TSV von 1861 Deggendorf ausgeführt ist, im Verein "Schwimmen als selbstverständlicher Teil des Turnens, ein Synonym für jegliche Bewegungsaktivität, neben Leichtathletik und Ringen, betrieben".

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III. 19
26/1927 - Bogenbachregulierung -Ende des Bades im "Bogen"

Mit der Ausdehnung der Stadt wurde es zur Gewinnung von Flächen zur Ausbreitung, sicher aber auch wegen der jährlichen Hochwasser, notwendig, den Bogenbach zu verlegen und gegen das Hochwasser Dämme zu errichten. Die Arbeiten zur Verlegung in das heutige Bachbeet begannen 1926 und wurden 1927 beendet. Nachstehend ein Foto davon, aufgenommen etwa kurz oberhalb der heutigen Hindenburgbrücke. Bei den im Hintergrund erkennbaren Häusern handelt es sich um das landwirtschaftliche Anwesen Dachs und die Gärtnerei Ertl.

Foto: Stadtarchiv

Spätestens diese Bachverlegung besiegelte endgültig das Ende der "Städtischen Schwimm- und Badeanstalt am Bogen."

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IV. 6. Februar 1945 - Ende der Badeanstalt an der Donau

"Das Ende der Badeanstalt an der Donau kam im Winter 1945. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 3. Februar 1945 meldete das Straßen- und Flussbauamt Deggendorf dem Stadtbauamt, dass das Donaubad im Winterhafen absacke; es ist am 6. Februar 1945 endgültig untergegangen" (Kandler a.a.O). "Das mobile Freibad versank, unabhängig vom Krieg, sang- und klanglos im Winterhafen" (so die PNP)Wie und warum eine aus Holz errichtete Badeanstalt untergehen konnte, ist nicht bekannt. Vermutlich wurde sie durch Treibeis oder  Hochwasser beschädigt und Teile davon  weggeschwemmt. Jedenfalls wurde sie nicht mehr aufgebaut.

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V. Das Alte Bad bei der Kgl. Kreis-Irrenanstalt im Stadtpark

1863 bis 1868 wurde im Vollzug der bayerischen Irrenreform von 1851, einem Instrument der administrativen Modernisierung unter König Max II. von Bayern, die damalige Königliche Kreisirrenanstalt, später umbenannt in Heil- und Pflegeanstalt Deggendorf, im Stadtpark erbaut. Nebenan ein Foto eines Gemäldes von Eugen Felly, Isny  aus dem Jahre 1909 ( Stadtarchiv), das allerdings, was die Straßenführung auf der linken Seite betrifft, so nicht zutreffend sein dürfte, denn es ist anzunehmen, dass auch damals der Kohlbach zunächst parallel zum Bahndamm floss, um dann in einem weiten Bogen zur Anstalt hin abzubiegen, wo, etwas oberhalb der Anstalt, der Mühlbach in den Bach einmündete. In dem dadurch eingegrenzten Wiesengrundstück, der "Trat", befand sich, etwa auf der Höhe des heutigen Eisstadions, parallel zum Kohlbach, ein Naturbad von etwa 50 m Länge, 10 m Breite und etwa 2 m Tiefe, das "Alte Bad", wie es von uns genannt wurde. Auf der Bogenbachseite wurde es von dem zirka 1m hohen Kohlbachdamm eingegrenzt. An den Seiten war es mit Trittholzschwellen eingefasst. Wie genau die Wasserzuführung funktionierte, ist mir nicht bekannt. Erinnerlich ist mir noch, dass an einer Stirnseite ein Schieber im Boden eingelassen war. Vermutlich wurde das Wasser mit Rohren vom Bogenbach zugeführt und über diesen Schieber abgelassen. Leider konnte ich keine direkte Fotografien dieses Bad finden. Auf der nachfolgenden Luftbildaufnahme ganz oben links ist das "Alte Bad" deutlich sichtbar.

Foto zur Verfügung gestellt von Dr.Rainer Buchmüller, Deggendorf, aus einem Kalender "Deggendorfer in alten Bildern". Der Abdruck erfolgt mit Genehmigung des Herausgeberverlages
 Utz Benkel, Bundesallee 79, 121 Berlin.

Zunächst ging ich davon aus, dass das Bad für Patienten der Irrenanstalt gebaut worden war, da ja damals dieser Landschaftsteil weitum völlig unbebaut war und es  eigentlich nur so einen Sinn ergibt. Es könnte allerdings auch sein, dass dieses Bad erst bei Übernahme der Kreisirrenanstalt 1934 durch die Reichswehr gebaut wurde und es bis zum Bau des Freibades im Stadtpark 1935/1936 (siehe nachstehend VI)  der Reichswehr als Sportertüchtigungsbad diente. Dafür spricht, dass es in den Katasterunterlagen des Vermessungsamtes Deggendorf erstmals im Fortführungsriss Nr.984  mit der Bezeichnung "Neues Bad, nun Altwasser" dokumentiert wurde.

Zu diesem Bad kamen wir, die etwa 8 - 10 Jahre alten Kinder von der "Siedlung", in den letzten Kriegsjahren im Sommer barfuss über den Kohlbach, im Winter einmal auch über einen Baumstamm, der über den Bach lag. Dies aber war nicht ganz ungefährlich, denn der Stamm war die meiste Zeit infolge der gefrorenen Wasserspritzer "glaciert". Baden trauten wir uns nicht mehr darin, denn das Bad war verwildert und hatte für uns etwas Unheimliches an sich. Der Wasserspiegel war dunkel,  das Becken voller Schlingpflanzen, es  schwammen Blutegel  und Frösche darin, aber auch Fische. Wie diese hineinkamen, ist ebenfalls unklar. Vermutlich wurden sie von Fischern "eingesetzt". Die Fische jedenfalls hatten es uns angetan, denn wir fischten "schwarz", mit selbst gebastelten Angelruten. Gestört wurden wir dabei, wenn überhaupt, nur von richtigen Fischern. Gut erinnere mich noch daran, dass der damalige Reichsbahnoberinspektor Josef Cehak und der absolute Fischerei-"Fachmann" Anderl Hartenberger, beide aus der Siedlung,  einen Sommer lang um den Fang eines riesigen Hechtes wetteiferten. Der Glücklichere war Cehak, denn er zog diesen prächtigen Burschen, mit dem er rechts abgebildet ist, an Land und ich durfte ihn im Garten seines Wohnhauses damit fotografieren. Im Winter war dieses Bad übrigens eine wunderbare Eisarena. Eindeutig handelte es sich  aber um ein Bad, und nicht, wie man möglicherweise annehmen könnte, um einen Fischweiher. Ich kann dies aus eigener Wahrnehmung bestätigen, wie auch einige Gleichaltrige, die damals mit mir die Badeanstalt im Sommer und Winter aufsuchten. Vermutlich wurde es im Zuge des Baus des Donauwaldstadions zugeschüttet.

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VI. 1935-1936 -
Das Freibad der Reichswehr im Stadtpark

Die Deggendorfer Kreisirrenanstalt wurde 1934 geschlossen. Die Patienten wurden in die bereits 1911 errichtete Heil- und Pflegeanstalt Mainkofen verbracht, die die psychiatrische Gesamtversorgung für Niederbayern übernahm. Die Gebäude der bisherigen Anstalt wurden zu einer Kaserne umgebaut und von der Reichswehr übernommen. Zusätzlich wurde im Stadtpark  1935/36 für die Reichswehr ein Freibad errichtet, das der übrigen Bevölkerung der Stadt nicht zugänglich war.

Anfangs des 20. Jahrhunderts beginnt übrigens die Geschichte des Freibades Es ist zunächst als eine Ertüchtigungsstätte für Soldaten, nicht aber für das öffentliche Publikum gebaut worden. Der Sprungturm, das Sprungbrett, für die es eigentlich keine rationale Notwendigkeit gibt, ist noch militärischen Ursprungs. Die Soldaten, junge Männer, wurden von ihm mit Stahlhelmen als Mutprobe ins kalte Wasser geschickt. (Auszugsweise aus dem Artikel "Einigkeit im Recht auf Freibad von Christina Rietz in der ZEIT Nr.30 vom 19. Juli 2012)


Vorstehend ein Bild aus der Bauzeit, nachstehend eines  kurz nach der Fertigstellung dieser  prächtigen und wunderschön gelegenen Anlage.

 

Foto: Stadtarchiv

Ganz deutlich erkennbar eine Besonderheit des "Ur"-zustandes des Bades, die Wasserrinne an der linken Seite des Beckens, gedacht als Durchschreitbecken zum Hauptbecken, in dem hier Karl Buxbaum, mit der weißen Badehose, auf einem Foto  aufgenommen etwa um 1955, fröhlich plantscht. Damals baute man diese Durchschreitbecken mit Duschen, weil nicht jeder zu Hause eine Dusche hatte, um das Badewasser einigermaßen sauber zu halten.
 

Foto Karl Buxbaum

Da die Bevölkerung von der Benutzung grundsätzlich ausgeschlossen war, brauchte es auch keinen eigenen Eingang mit Kassenhäuschen. Offensichtlich fanden aber gelegentlich Veranstaltungen unter Beteiligung auch der Bevölkerung statt, wie die nachstehenden Bilder beweisen.

Fotos: Stadtarchiv, links - rechts: Hans Feichtinger

Links handelt es sich offenbar um eine Schwimmveranstaltung, rechts wohl um einen "Tag der offenen Tür". Dieses Foto  wurde vermutlich 1938 aufgenommen, denn das etwa 8 Monate alte Baby in der Mitte ist meine spätere Frau, die im Dezember 1937 geboren ist. Rechts oben im Hintergrund sieht man noch die Umkleidekabinen der Wehrmacht, die später, nach  Öffnung für die Bevölkerung,  noch einige Zeit Verwendung fanden.

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VI. 1937 - Die Stadt Deggendorf beabsichtigt ein Traumbad zu bauen

Wie sich aus dem Vorhergehenden ergibt, stand es Ende der dreißiger Jahre nicht besonders gut um das Badewesen in Deggendorf. Die Anlage im Bogenbach existierte nicht mehr, die Schwimmanlage an der Donau genügte längst nicht mehr den Ansprüchen der wachsenden Zunahme der Bevölkerung und die moderne Anlage im  Stadtpark stand nur dem Militär zur Verfügung.  Für die Stadtverwaltung also ein drängendes Problem , das es zu lösen galt und das sie nach längerer Planung in Angriff nahm. Die Stadt erwarb oberhalb der damaligen Infanteriekaserne, heute die Kaserne des Grenzschutzes , direkt unterhalb des Thannbergs,  ein Gelände von etwa 10 Tagwerk, also etwa 34.000m². Der Baubeginn war für 1937 vorgesehen. Das Bad sollte 1938 fertig gestellt sein. Liest man den nachstehenden Zeitungsbericht im Völkischen Beobachter vom 16. September 1937, in dem das Projekt in allen Einzelheiten beschrieben wurde, reibt man sich erstaunt die Augen über die damalige Weitsicht der Planung.

Bild: Akten des Stadtarchivs V/51

Auch nach heutigen Maßstäben ist es noch erstaunlich, wie umsichtig und vernünftig damals dieses Bad geplant war, das auch in sportlicher Hinsicht höchsten Ansprüchen genügt und zugleich die Bedürfnisse der Deggendorf Bevölkerung berücksichtigt hätte. 

Der Bau kam aber leider über erste Anfänge nicht hinaus, denn "Ende September  1937 teilte die Oberste Bauleitung der Reichsautobahn von München aus mit, dass der bereits begonnene Bau eingestellt werden muss und so nicht mehr durchgeführt werden kann, da nach den neuesten Plänen  das Gelände von der geplanten Reichsautobahnstrecke mitten durchschnitten wird" (Kandler a.a.O). Vermutlich wegen der späteren Kriegswirren  verschwanden diese Pläne leider in den Aktenschränken und wurden nie mehr wieder  aufgenommen. Die Pläne selbst konnte ich im Stadtarchiv nicht finden. Ein Relikt der damals geplanten und bruchstückweise bereits verwirklichten Autobahn stellt die Straßenbrücke über die Ruselstraße dar, die zur Straßenführung zum Klinikum und  darüber hinaus verwendet wurde.

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VIII. Die jüngere Geschichte des Badens - auch des Schwimmsportes

Die Anfänge im Kohlbach um 1940

Da das Freibad im Stadtpark nur für die Reichswehr zugänglich war und wir in der "Siedlung" von der Schwimmanstalt in der Donau nichts wussten, diese auch zu weit entfernt gewesen wäre und in die Donau selbst sich nur geübte Schwimmer wagen durften, blieb für uns Nichtschwimmer nur der Kohlbach. Dort lernten wir schwimmen, ohne Anleitung durch einen Schwimmlehrer. Der Kohlbach war unser "Frei-Bad". Er


Foto: Hans Feichtinger


Foto: Jochen Schilke-Deter

floss damals durch völlig unberührte Natur, für uns Kinder ein Paradies. Außer der Kaserne links  des Baches und der schon weiter entfernten "Siedlung" existierte keine Bebauung. Etwa auf der Höhe des heutigen Donauwaldstadions - das obenstehende Foto links zeigt in etwa diese Stelle - hatten Erwachsene und ältere Buben den Bach mit großen Steinen, Holzbrettern und Holzpfosten angestaut und so eine "Schwelln" gebaut. Damals (etwa 1940) war dies noch möglich. Man brauchte dazu keine Genehmigung, Niemand mischte sich ein, keine Behörde machte Auflagen. Unmittelbar vor der Schwelle war das Wasser zwar tiefer, aber selbst wir Kinder konnten noch stehen. Auf der rechten Bachseite neigte sich eine große Weide zum Bach. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir mehrere dünne Äste bündelten und uns damit, wie Tarzan, den wir damals allerdings noch nicht kannten, über die Wasserfläche schwangen, dort losließen und mit großem Geschrei in das Wasser plumpsten. Schwimmen lernte ich auf die gleiche Art wie alle Kinder damals. Man sprang ins Wasser, tollte herum und versuchte, sich irgendwie an der Oberfläche zu halten. Am besten gelang dies durch "Hundeln", also die Hände zu benützen wie ein Hund seine Pfoten und mit den Füßen zu strampeln. Diejenigen, die bereits schwimmen konnten, wagten sich dann in das weiter hinten,  bachaufwärts gelegene  "Wehr",  einen in den Bach  gebauten Wasserfall, um die Strömungsgeschwindigkeit des Baches zu vermindern.

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Der Wasserfall am "Wehr"

Das "Wehr",  das wohl bei der Verlegung und dem Ausbau der Graflinger Straße eingeebnet wurde,  befand sich damals auf der Höhe des heute noch existierenden "Bruckhofbauern", dort, wo  sich jetzt die Schießanlage des Grenzschutzes befindet. Dieses "Wehr", wie es von der Bevölkerung genannt wurde, eine Granitschwelle, etwa 1,5 m hoch, war rechts und links von einer zirka 2 m hohen Granitmauer eingesäumt, die nach vorne flach auslief. Hinter dem Wasserfall führte ein Holzbrückchen über den Bach.

Foto zirka 1936: Hermine Wallner, Deggendorf
 Frau Wallner, die heute (2011) 84 Jahre alt ist, erklärte, dass sie damals  10 Jahre alt war.
 

Bemerkenswert ist, dass der Wasser-"Fall" auf diesem Bild ziemlich hoch , der Wasserstand im Tosbecken aber niedrig war, denn der Bach war damals, nach vorne gesehen, wenn überhaupt, offenbar nur geringfügig angestaut. Eine ganz andere Situation stellt das nachstehenden Foto dar.
 

Foto: Wagner Anna Maria, Deggendorf
aufgenommen: 16. August 1957

Hier ist der Fall des Wassers fast aufgehoben. Die Ursache hierfür war ein Anstauen des Wassers im Tosbecken durch die Kleingärtner, einer damals unmittelbar angrenzenden Kleingartenanlage, die aus dem dadurch entstanden Becken das Wasser für ihre Gärten entnahmen.

Auf dem unteren Bild ist der Holzsteg hinter dem Wasserfall verschwunden. Der "Bruckhofbauer" Joseph Fischer hat hierzu von seinen Eltern erzählt bekommen, dass in den letzten Kriegstagen die Nationalsozialisten, wohl  Angehörige des auch in Deggendorf aufgestellten Volkssturmes, das Brückchen mit einer gewaltigen Menge Dynamit gesprengt hatten, um das Vorrücken der Alliierten Streitkräfte zu verhindern. Er erwähnte, dass die Explosion so stark war, dass sämtlich zur Bachseite gelegenen Fenster ihres etwa 300 m entfernten Hofes zerstört wurden und sich sogar Risse im Gemäuer bildeten. In Wirklichkeit sprengten am 26. April 1945 gegen 2.15 Uhr ein SS-Unteroffizier mit zwei SS-Männern das dort im Schießstand der Reichswehr befindliche Munitionsdepot der Wehrmacht in die Luft. Es gab eine gewaltige Explosion, die mit Sicherheit ursächlich für die geschilderten Schäden am "Bruckhof" war. Um 4.45 Uhr wurde dann auch noch das Brückchen über den Kohlbach gesprengt (aus: "Das Ende des Zweiten Weltkrieges im Landkreis Deggendorf in Augenzeugenberichten" von Johannes Molitor). Nach Kriegsende wurde das Brückchen wieder aufgebaut, aber nunmehr vorne am Ende des Tosbeckens.

Eine Randbemerkung hierzu:
Die schon vorbereitete Sprengung der  Bogenbachbrücken in der Hindenburg- und Bahnhofsstraße konnte von einem Zeitzeugen, dem Baumeister Max Streicher, in letzter Minute durch Verhandlung mit einem für die Sprengung verantwortlichen Major, den er noch vom 1. Weltkrieg her kannte, abgewendet werden. (Molitor, a.a.0)

Nach diesem Ausflug in die Kriegsvergangenheit wieder zurück zum Wasserfall:
Für uns Kinder war es ein Vergnügen zusammen mit den Älteren von den Seitenwänden in das stellenweise bis zu 2m tiefe Tosbecken zu springen oder, tief Luft holend, sich möglichst lange unter die Wasserwalze des Wehrs zu legen.
 

"..wir wenigen gleichaltrigen Kinder aus den Schrebergärten hatten Spaß daran, von der Brücke aus hinunter in das dort etwas sandige Wasser zu springen (bachaufwärts gesehen). Gerne saß ich auch lesend am Rande der Wehrmauern. Das leichte Rauschen des kleinen Wasserfalles, das fröhliche Toben und Rufen der Badenden ergab jedes Mal eine wunderbar erholsame Atmosphäre..".

so der Fotograf des obigen Fotos Jochen Schilke-Deter, mit der gut erkennbaren Sandbank.

Am "Wehr" wurde auch die Idee des "Eckfangerl" geboren, das später im Freibad bis zur Erschöpfung gespielt wurde. Berühmtester Teilnehmer im Freibad: Der "Bader"- so nannten wir ihn respektlos - den ausgebildeten Schauspieler, Gedichtrezitator und Rhetoriklehrer Günther Hollbeck (*11.12.1924 + 28.03.2005) der später noch die Friseurmeisterprüfung ablegte, da seine Frau  in Deggendorf ein Friseurgeschäft führte. Günther Holbeck war ein äußerst liebenswürdiger Mensch und Mitspieler  und es verdross ihn auch nicht, dass wir, die weitaus jüngeren, ihn  häufig zum "Fänger" verurteilten. Geradezu revolutionär für das damalige sittliche Empfinden im Bereich der Badekultur,  und sein besonderes "Markenzeichen", waren seine knapp geschnittenen Dreiecksbadehosen, die er in den Farben rot oder weiß bevorzugte und um die wir ihn alle beneideten. Beim "Eckfangerl" musste ein Spieler versuchen, einen der übrigen Mitspieler zu fangen, wobei  die Spieler nicht über die Ecken laufen durften, sondern sie schwimmend überqueren mussten. Im Freibad wurde später das 3-m Sprungbrett in das Spiel mit einbezogen. Dieses war natürlich bevorzugter Aufenthaltsort für die zu Fangenden. Dabei musste man gar nicht besonders gut schwimmen können, allerdings etwas Mut haben, denn der Sprung vom 3-m Brett blieb immer eine Mutprobe für uns. Das Ausnahmetalent im Tennis Gierl Franz (+18.03.1982) beispielsweise konnte nur etwas besser "hundeln", aber mit einem saftigen "Beiche" (Bauchklatscher) überquerte er geschickt die Ecken und war damit oftmals  genauso erfolgreich, wie die guten Schwimmer.

Von besonderem Reiz war das Baden bei Hochwasser, da durch den Rückstau von der Donau der Wasserspiegel ja meistens erheblich anstieg, die Strömungsgeschwindigkeit des Bachwassers dadurch aber fast aufgehoben wurde. Und da trauten wir, die wir ja schon schwimmen konnten, uns dann auch,  nicht nur reinzuspringen sondern auch Kopfsprünge und Wasserbomben von den Seitenwänden in das Tosbecken zu machen. War uns bei Hochwasser einmal der Weg hinter bis zum "Wehr" zu weit, badeten wir einfach vorne im Bogenbach, und zwar bei dem Steg der zur Kaserne führte.


ein späteres Foto dieses Steges: Jochen Schilke-Deter

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie mein Vater 1943 Kriegs-Heimaturlaub hatte und ich ihm an dieser Stelle voller Stolz meine Schwimmfertigkeiten vorführte. Ich durchschwamm drei Mal den fast bis 2m unter der Dammkrone Hochwasser führenden Bach. Mein Vater belohnte mich mit 5o Pfennig. Erwähnenswert: Weder mein Vater noch meine Mutter konnten schwimmen, übrigens wie viele ältere Leute damals. Dass sie deshalb Ängste ausstanden, ist nur zu verständlich. Und dann war da natürlich noch der Steg, die bestens geeignete Sprungplattform für "Köpfel" (Kopfsprünge). Es war einfach herrlich auf das Geländer zu steigen und mit dem Kopf voran ins Wasser zu springen; wir hatten einen Riesenspaß.

Gelegentlich  wurde das Badevergnügen getrübt durch die von der Steinzeugfabrik Noel, Oberkandlbach, in den Bach geleitete  Abwässer, die den Bach braunrot verfärbten. Die Firma, einige hundert Meter oberhalb des '"Wehrs" gelegen, etwa auf der Höhe des heutigen Kreisverkehres, die vor allem Tonrohr aus Ton herstellte, brannte diese in Öfen bei 1300 Grad Hitze und überzog sie mit braunroter Glasur, wodurch vermutlich dann beim Schleifen und Zuschneiden  diese  Abwässer anfielen, die zwar unangenehm aber vermutlich unschädlich waren. Die  Abwässer wurden, so glaube ich mich zu erinnern,  nicht  jeden Tag, sondern in unregelmäßigen Abständen, aber immer am späten Nachmittag, in den Bach geleitet, dessen glasklares Wasser sich dadurch braunrot verfärbte. Wenn dann die ersten roten "Wolken" im Bach aufzogen, warnte derjenige von uns, der diese zuerst erblickte durch lautes Schreien, worauf wir dann alle fluchtartig das Wasser verließen. Die Fabrik stellte 1962 ihren Betrieb ein.

Das "Wehr" gewann für die Deggendorfer Bevölkerung als Bademöglichkeit schon während des Krieges, aber besonders nach Kriegsende, große Bedeutung. Wie schon ausgeführt, war das Bad im "Bogen" aufgelassen worden, die Schwimmanstalt an der Donau sang- und klanglos untergegangen und das Freibad nicht zugänglich. Für die Bevölkerung blieben als Bademöglichkeiten nur die Donau, die Weiher und die Bäche und eben das "Wehr".   Auch nach Öffnung des Freibades im Stadtpark für die Bevölkerung, blieben bis Mitte der fünfziger Jahre Viele dem "Wehr" treu. Wie mir die Familie Fischer, die jetzigen Eigentümer des "Bruckhofes" erzählten, waren an heißen Sommertagen damals die Wiesen übersät von Badegästen. Als allerdings das Freibad nach dem Umbau 1957 erneut für die Bevölkerung freigegeben wurde, erließ die Stadt Deggendorf um das "Wehr" herum ein Badeverbot, mit der Begründung, dass die Wiesen mit Abfällen, vor allem zerbrochenen Glasflaschen übersät waren, nach Meinung vom "Fischer-Bauern" allerdings, weil nur wenige den Weg ins kostenpflichtige Bad fanden. Jedenfalls, so ab 1957/58, die genauen Daten sind nicht mehr ermittelbar, war das Baden am "Wehr" verboten.

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Das Freibad im Stadtpark


1945 - 1947

Der Krieg ging 1945 zu Ende. Der Zugang zum Freibad im  Stadtpark blieb aber nach wie vor offiziell versperrt, denn  das  gesamte Kasernengelände einschließlich des Freibades wurde zunächst von der amerikanischen Besatzungsmacht besetzt und auch als Bad genutzt. Wir ließen uns aber nicht abhalten, durchwateten den Bogenbach und schlichen uns durch die das Bad umzäunenden Hecken immer wieder in diese "Zauberwelt". Natürlich bemerkten uns die Amerikaner, vertrieben uns gelegentlich,  aber hatten meistens Nachsicht und ließen uns im Becken auch schwimmen. Nur selten wurden wir aus dem "Paradies" vertrieben. Das Freibad wurde und blieb bis Juli 1947 unsere "Welt".

1947-1949

Danach wurden die Bevölkerung bis 1949 ausgesperrt, denn die International Refugee Organization (IRO) eine Behörde der Vereinten Nationen, die 1946 als Nachfolgeorganisation der United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) gegründet wurde, errichtete im Rahmen ihrer Fürsorge für Europäer, die im Zweiten Weltkrieg heimatlos geworden waren, vor allem für Überlebende des Holocaust und ehemalige Zwangsarbeiter, die sog. Displaced Persons (DP) Lager in Bayern: in Deggendorf und Landsberg, in München-Freimann, Feldafing und - das am längsten existierende - unter dem Namen »Föhrenwald« im Landkreis Wolfratshausen. Insgesamt lebten fast 200 000 jüdische Displaced Persons zwischen 1945 und 1950 in Deutschland. Die IRO organisierte  die Rückführung dieser Menschen in ihre Heimatländer bzw. ihre Auswanderung in andere Staaten. Ab 1949 leerten sich die Lager. 1952 stellte die IRO die Betreuung der jüdischen Displaced Persons in Deutschland ein. Das Lager in Deggendorf wurde 1949 aufgelöst. Die letzten DP zogen am 30. Juni 1949 aus der Kaserne aus.  Bis zur Auflösung war  das Gelände um die Kaserne mit Stacheldraht abgesperrt und konnte nur über einen Steg über den Bogenbach, bei dem ein Wachhäuschen stand und in dem ständig ein Wachtposten anwesend war, betreten werden. Erinnerlich ist mir noch, dass sich am Bogenbachdamm, rings um den Steg herum, ein reger Schwarzmarkt entwickelte und, ich war selbst mit meinem Onkel, von Beruf Metzger, dabei, als unter der Brücke nachts auch "schwarz" geschlachtet wurde. Nach Räumung des Lagers musste das Schwimmbecken, eine einzige Müllhalde, erst einmal gesäubert werden. Erstaunlich ist, dass wohl, wie sich aus nachstehender Aufzählung der Bademeister ergibt, noch in diesem Jahr, also im Sommer 1949, das Freibad zum ersten Mal für die gesamte Bevölkerung der Stadt Deggendorf geöffnet worden ist. Ob auch schon gebadet werden konnte, scheint angesichts des Zustandes des Bades im Übergabezeitpunkt zweifelhaft. Und so sah das Bad nach Säuberung und Wiederinbetriebnahme etwa aus. Etwa deswegen, weil ich erstaunlicherweise kein Foto von damals finden konnte. Das nachfolgende Foto dürfte ein paar Jahre nach Eröffnung aufgenommen  worden sein.

Ich würde mich freuen, wenn mir jemand Fotos aus dieser Zeit vorübergehend zur Verfügung stellen würde!

 

Foto: S.Michael Westerholz

 

Nach einer kurzen Renovierung war das Bad, daran erinnere ich mich gut, eigentlich in Ordnung. Das Becken war schwarz gestrichen, ideal für "Eckfangerl", weil man nach dem Untertauchen nicht mehr gesehen wurde. Das Becken wurde mit Bogenbachwasser gefüllt, das über das weiße Pumpen-Häuschen im Hintergrund hoch gepumpt wurde. Das brachte allerdings gelegentlich Probleme mit sich. Wenn nämlich ein Gewitter niedergegangen war, war der Bach verunreinigt und es konnte deshalb kein Wasser bezogen werden. Umgekehrt konnte bei Hochwasser kein Wasser ausgelassen werden, weil die Ausflussöffnung für Normalwasserstand im Bogenbach angelegt war. Dies konnte dazu führen, dass das Bad einige Zeit, meistens ein paar Tage, geschlossen blieb. Den Besuchern wurde dies lapidar durch einen beschriebenen Kartondeckel am Kasseneingang bekannt gemacht. Ein Nachteil war zweifellos auch die Temperatur des frisch hoch gepumpten Wassers, denn wenn nicht gerade brütende Sommerhitze den Bach erwärmt hatte, bewegte sich diese meistens so um die 15 °-17°, manchmal sogar noch darunter. Nicht zu kalt war es offenbar auch dem früheren SPD Oberbürgermeister Berthold Heckscher (Bild nebenan: S.Michael Westerholz). Wohl eine grausige Vorstellung für die heute ach so verwöhnten Spaßbäderbesucher! Ich erinnere mich, dass ein paar Mitglieder der Wasserwacht, darunter auch ich, das sogenannte Totenkopfschwimmabzeichen in Gold, das es auch in Silber und Bronze gab, bei Wassertemperatur um die 15° - 18° gemacht hatten. Man musste dafür glaublich zwei, bei Silber eineinhalb und bei Bronze eine Stunde im Wasser schwimmen. Im Nachhinein kann ich es fast nicht glauben, aber wir schafften es völlig erstarrt und froren zum Ende erbärmlich. Den "Totenkopf" ließen wir uns später von der Mutter voller Stolz genau vorne in der Mitte der Badehose aufnähen. Nebenan ein Bilder dieses wirklich hässlichen und außerdem völlig unsinnigen Schwimmabzeichens.

Das Beckenwasser wurde glaublich so alle drei Tage durch ein Rohr, das vom Boden des  4 m tiefen Sprungbereichs in den Bogenbach führte,  in diesen abgelassen. Vor Öffnung des Abflussrohres wurden die Badgäste durch den Heulton einer Handsirene darauf aufmerksam gemacht und aufgefordert, das Becken zu verlassen. Das Leeren des Beckens dauerte etwa zwei Stunde. Nach einiger Zeit war der hintere Teil des Beckens schon ohne Wasser, während im Sprungbereich noch immer bis zu 2 m tiefes Wasser war, worin wir uns, trotz Verbotes durch die Bademeister, immer wieder tummelten. Allerdings hielten wir uns im gebührenden Abstand vom Abflussloch, wohl wissend um die Gefährlichkeit des Soges. Trotzdem ereignete sich am 24. August 1959 ein schrecklicher Unfall. Die 13jährige Schülerin Eva Maria Schilke aus der "Siedlung" tauchte kurz nach Öffnung des Abflussventils  trotz des Verbotes des Hilfsbademeisters, eines 35jährigen Kraftfahrers, der bei der Stadt angestellt und nur vorübergehend die Bademeisterdienste wahrnahm, nochmals in das Wasser um, wie ihre Freundinnen später berichteten, einen Stein herauf zu tauchen. Wie schon ausgeführt, konnte man wegen der schwarzen Farbe des Beckens nicht sehen, was unten vor sich ging. Nachdem  das Mädchen nicht mehr auftauchte, riefen Buben und Mädchen, die dies beobachteten hatten, um Hilfe. Mitglieder der Wasserwacht, darunter mein Freund Walter Cehak, tauchten hinab um das Mädchen zu retten. Aber es war bereits zu spät, den diese war bereits vom Sog in das Abflussrohr gezogen und durch dieses in den Bogenbach gerissen worden, wobei es ertrank.
 

1952/1953 - Café Guhl wird eröffnet

1952 stellte Georg Guhl an die Stadt den Antrag, ihm den Betrieb des vorgesehen Terrassen-Cafés im Freibad zu übertragen. Die Stadt bewilligt ihm dies und glaublich seit 1953, bis zur endgültigen Schließung des Freibades, wurde das Café von der Familie Guhl, zuletzt von Guhl Joachim mit seiner Frau Bärbel betrieben. Nicht vergessen sollte man ihre fleißigen Mitarbeiter Hahnel "Alfredo", ein pensionierter Stadtpolizist und die treue Seele Peter Streit, der leider viel zu früh in jungen Jahren verstorben ist. Mehr und mehr erfreute sich das Café großer Beliebtheit unter den Badegästen. Es entwickelte ein eigenes Flair und Guhls Mohnkuchen genoss zuletzt Kultstatus. Unvergessen bleibt mir der fünfzigste Geburtstag von Jochen 2002, als es sich nicht nehmen ließ, seine "Stammgäste" zu seiner Geburtstagsfeier einzuladen, zu der er unter anderem einen eigenen Stand für eine Hühnerbraterei aufbaute. Beim Abendessen gab ich meiner Verwunderung über mein wunderbar großes Hähnchen Ausdruck, worauf alle in lautes Gelächter ausbrachen. Der Grund: ich hatte eine Flugente vorgesetzt bekommen und es nicht bemerkt. Vermutlich hatte ich, wie viele andere übrigens im Laufe des Abends, ein Glas zuviel getrunken.

1955 - 1959: Erste Schwimmwettkämpfe:

In den weiteren Jahren wurden nur die notwendigsten Reparaturarbeiten ausgeführt. Erst 1958 und 1959 wurden erste Instandsetzungs- und auch Verschönerungsarbeiten vorgenommen, darunter der blaue Anstrich der bisher schwarz gestrichenen Seitenwände des Schwimmerbeckens. Leider bedeutete dies das Ende des bei uns so beliebten "Eckfangerls". Denn infolge des hellblauen Anstriches sah man jetzt bis zum Grund des Beckens. Es war also nicht mehr möglich, sich im dunklen Wasser durch Untertauchen zu verstecken. Damit war dem "Eckfangerl" sein wesentliches Element entzogen worden - es war damit einfach langweilig geworden.

In den fünfziger Jahren fanden auch die ersten Schwimmwettbewerbe der Wasserwacht statt. Hier ein Foto von einem Staffelwettbewerb. Der Rückenschwimmer auf Bahn 2 ist Karl Buxbaum, geboren 11.06.1945. Deutlich sind die Leinen der einzelnen Schwimmbahnen zu erkennen. Im Hintergrund das Pumphaus, über das das Schwimmbecken durch Wasserentnahme aus dem Bogenbach aufgefüllt wurde.
 



Foto Karl Buxbaum

1963 - 1964:

1963/1964 wurde das Freibad von Grund auf saniert. Geteerte Zugangswegen und neue Heckenanlagen wurden angelegt. Von besonderer Bedeutung waren die Erweiterung um ein großzügige Nichtschwimmerbecken,  das mit großer Begeisterung angenommen wurde, der Bau eines eigenen, erhöhten Beobachtungsraumes für die Bademeister mit Sanitätsraum im Zentrum des Bades, sowie die  in einem daran angeschlossenen Gebäu-deteil errichtete  eigene Schwimmbadwasseraufbereitungsanlage, durch die nicht nur die Wasserversorgung des Bades nunmehr über  die städtische Wasserleitung erfolgte, sondern auch das Badewasser umgewälzt, gereinigt und wieder den Becken zugeführt wurde. Die bisherig Pumpanlage mit all ihren Nachteilen hatte damit ausgedient. Zum Bogenbach hin wurde im vorderen Badbereich noch ein vom damaligen Stadtbaudirektor geplantes Kinderbecken errichtet, das allerdings wegen der schrägen Neigung, der dadurch verursachen Rutschgefahr und zweier darin angebrachter viereckiger Sockel mit überstehenden, vierkantigen Deckplatten einen ständigen Gefahrenherd darstellte und häufige Ursache für aufgeschlagene Knie und sonstige Schürfwunden war. Nachstehend drei Fotos von den Neuanlagen. Bemerkenswert vor allem, mit welcher Begeisterung das Nichtschwimmerbecken angenommen worden ist.

alte Postkarte

Foto: Stadtarchiv

Foto: früherer Bademeister Herbert Albert
 

1975 - Errichtung einer Wärmehalle, Bad wird geheizt:

Gewichtigste Neuerung in diesem Jahr war die Errichtung einer Wärmehalle beim Schwimm-becken,

Foto: Stadtarchiv

das daneben mit einer blauen Folie ausgekleidet wurde. Erstmals wurde ab diesem Jahr auch das Wasser im Sportbecken geheizt. Der Eingangsbereich wurde völlig neu gestaltetet, mit Kassenraum, Umkleidkabinen und Duschräumen sowie einem Babyplanschbecken.
 

Die Bademeister:

Eine besondere Beziehung verband uns mit den Bademeistern, verbrachten wir doch im Sommer fast die ganze Freizeit im Bad. Nicht erinnern kann ich mich an den ersten "Bademeister", den

Badewärter  Stauber Andreas - 04.07. 1949 - 29.07.1949

da dieser, ein Stadtangestellter und offenbar von der Stadt als vorübergehende Lösung bei der Öffnung des bisherigen Bades der Reichswehr für die Bevölkerung, als Badewärter beauftragt worden war und diese Tätigkeit nur knapp einen Monat ausübte. Jedenfalls ergibt sich aus seiner Beschäftigungszeit in Verbindung mit dem Beschäftigungsbeginn des nachstehenden Bademeisters, dass das Freibad eindeutig schon im Juli 1949 geöffnet worden ist. Ob auch schon gebadet werden konnte, erscheint im Hinblick auf den Zustand des Bades nach Räumung durch die Displaced Person zumindest zweifelhaft.

Ein Bademeister aber, an den ich mich noch sehr gut erinnere, war:

Eberl Theo, genannt "Tell" , 1949 - 1951:

An ihn erinnere ich mich deshalb so gut, weil er der Musterbademeister schlechthin war. Er verbreitete Autorität, ohne aber unsympathisch zu wirken. Sah gut aus, braungebrannt, sehr sportlich. Für uns Kinder war es immer wieder imponierend, wenn der "Tell" jeden Tag, frühmorgens, gleich nach Badöffnung, begleitet von den bewundernden Blicken der älteren Frühschwimmerdamen, vom 3-m Brett seinen Kopfsprung, eine perfekte "Schwalbe" vorwärts, in  vorbildlicher Haltung zelebrierte. Im nachstehenden Zeitungsausschnitt aus der PNP, wohl um 1950, kann man seine Fähigkeiten bei einem  mit einem Handstand-Kopfsprung vom 3-m Brett anlässlich eines Wasserwachtschwimmfestes bewundern.

 

Besonders erwähnenswert sind die anlässlich dieses Schwimmfestes erzielten Wettkampfzeiten nicht, wohl vor allem deswegen weil es sich offenbar um eines, wenn nicht gar des ersten Schwimmfestes der Wasserwacht handelte.

Eine außergewöhnliche Leistung jedoch verdient Erwähnung: Das Streckentauchen der Männer, in welchem Hans Berndt, Deggendorf glatt die gesamte Beckenlänge von 50m durchtauchte und damit diese Disziplin gewann.

Auf Eberl folgte das genau Gegenteil:

Bademeister Reichel Gerhard, 16.07.1951 - 30.09.1955:

Reichel, geboren 9. Dezember 1909 in Breslau/Schlesien, verstorben am 4. November 1988 in Landshut, groß und grobknochig gebaut, war ein waschechter "Preuße", burschikos, aber sehr gutmütig. Er trieb seine Späße mit uns. Wir mochten ihn. Ein Rätsel allerdings bleibt mir immer noch, wie er  mit seiner "revolutionären" Schwimmlehrmethode jemals jemandem das Schwimmen beibringen konnte. Er posierte sich auf dem 1-m  Brett, in der Hand eine lange Angel an deren Ende hilflos der Schwimmschüler in einem Brustgurt hing.
Offenbar handelt es sich dabei um eine nunmehr tragbare Fortentwicklung des „Galgens“ wie er im Freibad an der Donau (siehe oben) Verwendung gefunden hatte. Reichel ließ den Schwimmschüler nicht Luftübungen machen, wie nebenan Honoré Daumier im Schwimmunterricht, aus der Lithografie-Serie: "Les Baigneurs",1841, sondern senkte die Angel und ließ den Schwimmschüler in  das Wasser eintauchen, meistens zu tief. Dieser versuchte verzweifelt, sich über Wasser zu halten. Dies gelang aber erst, als Reichel merkte, dass sein Schüler am Ertrinken war und er ihn deshalb wieder höher zog. Aber, wie auch immer: Ertrunken ist keiner und schwimmen haben  sie irgendwie alle gelernt. Noch eines bleibt mir bei ihm unvergesslich: Zu Reichels Zeit nahm man es mit der Wasserqualität nicht besonders genau. Einziges Mittel um etwaige Bakterien nicht aufkommen zu lassen bzw. um sie zu vernichten, war Chlor.  Gegen Ende jeden Badetages stellte sich Reichel auf das 1-m Brett und betätigte, heftig drehend, die Kurbel an einer Handsirene. Dies war der Hinweis, dass ab diesem Zeitpunkt Badeschluss war und das Baden verboten war. Dann nahm er in die linke Hand einen Eimer mit Chlor, das er mit der handschuhgeschützten Hand über das Wasser ausstreute, wie ein Bauer den Samen auf dem Acker. Die Folgen dieser "Chlorduschen" konnte man an geränderten Augen und sogar an gebleichten Haaren sehen!
 

Dann folgten zwei Bademeister, an die ich mich nur vage erinnere, wohl auch deswegen, weil ich mich während dieser Zeit -  gehorsam den Auftrag der Bayerischen Justiz erfüllend - in München, Augsburg, Prien a.Chiemsee und Rosenheim aufhielt. Freundlicherweise hat mir mein Schachfreund, der Stadtarchivar Erich Kandler die nachfolgenden Artikel zur Verfügung gestellt, die mir wegen der Schilderung der Verhältnisse zur damaligen Zeit im Freibad wert erscheinen, hier mit aufgenommen zu werden:

Bademeister  Bertelshofer Hermann, 1955 - 1958:

Die Deggendorfer Zeitung von 1956 schreibt lapidar über ihn:
"Bad-Eröffnung erst am Samstag, 2. Juni unter dem neuen Bademeister Hermann Bertelshofer." Übrigens war damals die Stadt zurückhaltend was den Unterhalt des Bades betrifft. Es heißt in der Deggendorfer Zeitung vom 4. Juni1955 nämlich: „… aber die Stadt meint, es lohne sich nicht recht, in das Bad noch Geld hineinzustecken, weil es möglich sei, dass es von den neuen Streitkräften übernommen und dann für die Öffentlichkeit gesperrt werde“. Offenbar haben die Stadtväter dann ihre Einstellung doch geändert, den in der Deggendorfer Zeitung 1958, Pfingsten, wurde berichtet: "Mit „Brrr“ und Huuch“ ins nasse Element: … Seit etwa 14 Tagen wird auch im städt. Freibad im Stadtpark gearbeitet. Die übliche jährliche Überholung für rund 1500 DM. Das Becken wurde geräumt und gesäubert, die Seitenwände mit einer grün-blauen Schutzfarbe gestrichen. Außerdem haben sich Arbeiter über die losen Betonplatten rings um das Becken hergemacht und sie neu gesetzt. Überdies wurde – heuer zeitig genug – der Rasen gemäht und die Ruhebänke haben diesmal einen neuen Farbanstrich erhalten: rot und gelb und grün. Die Arbeiten sind auch auf die Umkleidekabinen ausgedehnt worden, die frisch getüncht, einen freundlichen Eindruck machen. Nur das windschiefe Kassenhäuschen am Eingang stört etwas. … Das Wasser wurde am Freitag ins Becken gelassen – wird also am Eröffnungstag noch recht kalt sein."

Auf Bertelshofer folgte:

Bademeister Schweikert Kurt
, 1959:

Aus dieser Zeit ein Artikel aus der Deggendorfer Zeitung Pfingsten1959:

"Die letzten und die ersten Handgriffe. Heute um 12 Uhr beginnt die offizielle Badesaison: Heute um 12 Uhr wird das städtische Sommerfreibad im Stadtpark wiedereröffnet. Manches hat sich seit dem vorigen Jahr verändert, manches ist gleich geblieben. Neu ist z. B. der Bademeister, der aus Regensburg kommt und Kurt Schweikert (25) heißt. Im Winter, wenn kein Mensch ans Freibaden denkt, arbeitet Schweikert bei den Stadtwerken. Die Frau des gelernten Fernmeldebauhandwerkers übernimmt die Kasse. Beruhigend ist für die Badegäste, dass Schweikert seit acht Jahren Rettungsschwimmer der Wasserwacht ist und bereits in Regensburg als Hilfsbademeister tätig war. Außerdem besitzt der junge Mann den Lehrschein der Wasserwacht des bayerischen Roten Kreuzes und den Taucherschein. Er ist auch in Erster Hilfe ausgebildet. Das Schwimmen kann man bei ihm ebenso lernen wie die Leistungen für die verschiedenen Schwimmzeugnisse. Neu ist auch der blaue Anstrich des Schwimmerbeckens, der schneeweiße des Sprungturms, der Haltestangen und der sechs Abstiegsleitern, deren erneuerte Sprossen jedoch rot gestrichen wurden. Die schadhaften Betonplatten sind ersetzt worden. Nach den Kanalisationsarbeiten im frühen Frühjahr sind der Anfahrtsweg bis zur Höhe des vorherigen Fußgängerweges aufgeschüttet, die Liegewiese planiert und ein neuer Rasen angelegt worden. Die Zäune sind ausgebessert, die Bänke frisch gestrichen, der Sandkasten für die Kinder bekam fünf Kubikmeter feinen Sand, die Wasserpumpe wurde überholt, und aus dem Pumpenschacht wurden bei der Reinigung ungefähr vier Kubikmeter Schlamm entfernt. Der Ablauf zum Bogenbach wurde gepflastert. Der Eingang jedoch ist nach den Kanalisationsarbeiten im selben Zustand wiedererrichtet worden, wie er vorher war: ein verrostetes Tor mit Stacheldraht umwickelt und einem Sperrbalken. "

Auf Schweikert folgte:

Bademeister Böhm Alfons, 1960-1977


Er war ein liebenswerter Bademeister, sehr aktiv in der Deggendorf Wasserwacht, die unter ihm einen großen Aufschwung nahm. Leider starb Alfons Böhms 1977 an Krebs . Die Deggendorfer Zeitung schrieb über ihn am 21/22. Mai 1960 : "Alfons Böhm, Inhaber des Grund- und Leistungsscheines und bald auch des Lehrscheines, neuer Bademeister im städtischen Freibad im Alten Stadtpark. Böhm ist von Haus aus Porzellanmaler und war im 2. Weltkrieg bei der Marine. Vor 21 Tagen ist er aus Neustadt an der Waldnaab nach Deggendorf gekommen, wo er zunächst bei seinem Bruder Josef, dem BRK-Kreisgeschäftsführer, wohnen wird, ehe ihm die Stadt die zugesicherte Wohnung geben kann. Im Winter arbeitet Böhm als städtischer Amtsbote. … Am Beckenrand  ist jetzt auch die Wassertiefe gekennzeichnet: Von vier Metern bis zu einem Meter. Wassertemperatur: 16 Grad!! "

Foto: Alfons Böhm mit den Mitgliedern der Wasserwacht:
von links: Walter Cehak, N. Müller, Günther Krehbiel (+22.05.2002)

 

Bademeister Albert Herbert 1977-1990, 
Hilfsbademeister Alois Manichl 1967-1985:

Herbert Albert, langjähriger  Vorsitzender der Deggendorfer Wasserwacht, ersetzte den so früh verstorbenen Alfons Böhm. Albert war ein ruhiger, liebenswerter Bademeister, der   bis zu seinem Ausscheiden 1990 sachkundig seinen Dienst verrichtete. Ihm zur Seite stand der schon 1967 vom städtischen Bauhof  als Hilfsbademeister für Alfons Böhm in das städtische Freibad gewechselte Alois Manichl, geb. 1945.  Alois war ein lustiger, geselliger Mensch, den alle gern mochten. Er verstarb am 29.03.1985 leider viel zu früh  infolge eines Herzinfarktes. Berühmt und nicht zuletzt deswegen von den Kindern geliebt, war Alois wegen seiner Wasserbomben, auch Arschbomben genannt. Dazu  sprang er wie zunächst  bei einem normalen Kopfsprung mit einem lauten "Yabadabadoo!" vom 3-m Brett ab. Kurz vor dem Eintauchen ins Becken aber zog der die Beine und  Arme, letztere als Schutz für das Gesicht, an und bildete damit praktisch eine Kugel. Damit erzeugte er auf Grund seiner nicht unbeträchtlichen Körperfülle beim Eintauchen im Wasser eine erhebliche Sturzflut, die sich meist - wie beabsichtigt - zum Gaudium der Wissenden, also vor allem der Kinder, auf ahnungslos am Beckenrand stehenden Zuschauer ergoss. Erinnerlich ist mir dazu, dass auch der damalige SPD-Oberbürgermeister Berthold Heckscher und mehrere "Honoratioren", glaublich bei einer Einweihungsfeier, das Opfer einer dieser Bomben wurden. Sie nahmen es jedoch mit Humor und lachten herzlich drüber. Nachstehend Alois im Anflug zu einer "Wasserbombe".

Inzwischen entwickelte sich aus Alois`"Arschbombe" ein eigene sportliche Disziplin,  das "Splashdiving", mit Wettkämpfen im In- und Ausland, sogar einer eigenen Weltmeisterschaft. Die mit Noten, wie beim normalen Turm - und Kunstspringen, bewerteten Sprünge heißen unter anderem breite Kathe, offenes Brett, Stuhl oder Kartoffel. Höchstnoten gibt es wenn der Athlet die Wasseroberfläche mit der maximalen Hautoberfläche seines Körpers berührt. Das unter der nachstehenden Internetadresse aufzurufende Video vermittelt einen "bombigen" Eindruck davon.

Am 21.09.2011 hat mir Herr Jochen Schilke-Deter, geb. 1957, ein früherer Deggendorfer, der heute in Erlangen lebt, erfreulicherweise das daneben stehende Gedicht aus seiner Jugendzeit ins Gästebuch geschrieben. Er führte dazu aus:

"Ich kannte Herrn Mannigl nicht persönlich. Aber soweit ich mich erinnere, habe ich bei Ihm meine Schwimmabzeichen gemacht, und er hat uns Jungs auch den ein oder anderen Rat erteilt, was Schwimmen und auch gutes Benehmen betrifft...Ich bin 1957 geboren und in der Sankt-Martin-Straße aufgewachsen, habe zunächst in der Kleingartenanlage in jenem Tosbecken (=das "Wehr"siehe oben VIII) erste Schwimmversuche unternommen (meine Eltern hatten dort einen der Schrebergärten, die ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht wurden). Später war das alte Schwimmbad Hort der Erfrischung und Erholung..."

mannigel

unser vorbild der
standfeste bademeister
mannigel alois
"was'n lous, ha"
war sein ruf
wenn wir stritten
augenblicklich trat ruhe ein

zum sprungturm zeigten wir
mach ihn auf für uns
er öffnete die kette
und war selbst der erste
auf dem brett
das sich bog
unter der last

sein körper voller energie
setzte die wasserbombe
knapp an den rand des beckens
wo die menge voll spannung
wartete
entsetzt zurückwich
und dann doch applaudierte


Jochen Schilke-Deter

Foto: Frau Manichl

 

Bademeister 1978 - 2003

Niedermeier Dieter, Hartl Klaus, Hilse Stefan, Pleintinger Hannes, Kilger Thomas

Letzte Bademeister bis zur Auflassung des Freibades waren Dieter Niedermeier und seine weiter nach und nach eingestellten Kollegen Hartl Klaus, Hilse Stefan, Pleintinger Hannes und Kilger Thomas. Niedermeier übte engagiert, mit großem Fachwissen und Sachverstand, wie übrigens seine Kollegen auch, bis zum endgültigen Schluss des Freibades am 30. September 2003 als leitender Schwimmmeister seinen Dienst aus. Allerdings habe ich von ihm, wie auch von seinen Kollegen  niemals einen Sprung vom 3m-Brett, wie vom "Tell", erlebt. Dafür ist Dieter eine hervorragender Koch und als Alleinunterhalter am Nockerberg in Mietraching oder als "Stadtpolizist" einsame Spitze, ganz zu schweigen von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten im Freibad - Nationalsport: dem "Hudeln" (Kartenspiel). Auch in diesem Bereich  standen ihm seine Kollegen Hannes, Stefan  und Thomas nur wenig nach, sodass man fast annehmen muss, dass "Hudeln"  zur Grundausbildung eines Schwimmmeisters gehört.

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Die Wasserwacht

In Deutschland wurden nach Kriegsende am 8.Mai 1945 alle bis dahin in Deutschland existierenden Vereine und Organisationen durch die Besatzungsmächte aufgelöst bzw. verboten. Im Juli 1945 ordnete die amerikanische Besatzungsbehörde an, dass das Bayerische Rote Kreuz seine Arbeit wieder aufnehmen und dabei den Rettungsdienst zu Lande, auf den Bergen und im Wasser organisieren sollte. Auch in Deggendorf wurde eine Ortsgruppe der Wasserwacht im Bayerischen Roten Kreuz gegründet. Wir hatten inzwischen unsere Schwimmkünste stark verbessert und traten der Wasserwacht bei, machten den Grundschein, wie beispielsweise der "Manni" Liebl -


Den Grundschein schafften auch die nachstehend abgebildete Winkel Sabine, verh. Kling (links) und die Tochter von Bademeister Gerhard Reichl,  Ingrid Bernabed, geb. Reichl,  wohnhaft jetzt in Rowland Heights,  (Kalifonien), USA,

neben so bekannten Deggendorfer, wie Karl Adolf Pfestorf,, Klaus Feldl, Helmut Ottl, Herbert Regner, Klaus Burg, Fritz Luber (+2012) und Marion Escherich,.

Frau Bernabed hat in  das Gästebuch dieser Homepage  folgendes geschrieben:

Lieber Herr Feichtinger, Zu meinem großen Bedauern habe ich im Internet gelesen, das schöne Freibad am Stadtpark ist nicht mehr da. Wir haben in "Deggendorf gewohnt, waren Flüchtlinge und wohnten im "Braunen Haus". Bin 1996 in Deggendorf gewesen und hatte den damaligen Bademeister
(Niedermeyer Dieter, wie dieser mir erzählte) kennengelernt. Er hat Verwandte in Glendale Calif. (Metzger). Mein Vater war Gerhard Reichel und ja ich erinnere mich an die lustige Methode seines Schwimmen lehren. Auch ich habe damals teil genommen an Schwimm Wettbewerben mit vielen von meinen damaligen Klassen Kameraden. Wir haben auch in einer dieser grossen Gebäude am Stadtpark gewohnt. Wäre wunderbar etwas von Ihnen zu hören.

Neben manchen anderen, schaffte beispielsweise sogar den Leistungsschein der  Veit "Jangi". Jankowski, ein sehr guter Krauler, der 1954 bei den Niederbayerischen Meisterschaften im Bschütt-Bad in Passau in 1:17,3 Min. geteilter Erster in der Jugend B wurde (siehe dazu weiter unten in "Schwímmsport").


 

"Wasserwacht ist tätige Nächstenliebe". Diesen nachstehenden, informativen Artikel aus der PNP, etwa 1954/1955, hat mir Frau Bernabed zugesandt, der zeigt, dass Bademeister Reichel neben seinem Beruf auch noch Leiter der Wasserwacht Ortsgruppe Deggendorf war.
 


 

Wir verrichteten mit Begeisterung den Wachtdienst im Bad oder an der Donau. Dort besonders gerne, weil wir mit den "Großen" ganz alleine über Nacht zelten durften.

Natürlich nahmen wir auch an diversen Schwimmwettkämpfen der Wasserwacht teil. Unter anderem auch  an dem von der Deggendorfer Wasserwacht am 2. September 1951  im Alten Freibad  veranstalteten Schwimmfest.
 



Foto: Herbert Regner

Erstaunlich schon die große Besucherzahl. Offenbar hatten die Deggendorfer damals ein Herz für den Schwimmsport. Übrigens, auf dem Sprungbrett, Dreh- und Angelpunkt des "Eckfangerl", von links: der mehrmalige Stadtmeister im Kunstspringen vom 3m-Brett Peter Escherich, daneben ich.

Nachstehend einige Bilder von Schwimmwettkämpfen und Mitgliedern der Wasserwacht.


Schwimmfest in Zwiesel, vorne: Gruber Sepp, zweite Reihe von links: Schober Dietmar, Siewert Reiner, daneben:?, dahinter: Schneider Gerhard, Feichtinger Hans, Tauber Hannelore, Hinz Theo, Philipp Uschi, Marion Escherich, N?.



Im Freibad
von rechts: Schober Dietmar, Luber Fritz(+25.05.2012)
Escherich Peter, Feichtinger Hans


Schwimmfest in Ortenburg
von rechts:
Luber Fritz (+25.05.2012), Krehbiel Günther (+22.05.2002), Siebert Rainer, Feichtinger Hans


 Im Freibad
von rechts:
Eisenhut Gustl, Regner Herbert,
 Wiedemann Gustl, Feichtinger Hans

Im Freibad
Siebert Rainer, Feichtinger Hans
Krehbiel Günther (+2002)


Schwimmfest Hengersberg.
unterm Schirm, von links:
Klarl Heinz (+25.06.2015),
 Luber Fritz (+25.05.2012)

Schwimmfest Dingolfing
vorne von links:
Feichtinger Hans, Escherich Peter, Luber Fritz (+25.05.2012)

Foto: Frau Manichl, Witwe des Bademeister Alois Manichl

Siegerehrung, hier des Staffelwettbewerbes über 4x 50m Kraul, bei einem dem über mehrere Jahre alljährlich im Freibad stattfindenden Schwimmfeste der Wasserwacht, vermutlich 1963. Die Ehrung führte SPD-Oberbürgermeister Berthold Heckscher durch, der dem Mannschaftsführer der siegreichen Deggendorfer Staffel Walter Cehak, assistiert vom  Vorsitzenden der Deggendorfer Wasserwacht Grimm N. im weißen Hemd,  den Pokal überreicht. Neben Cehak und dahinter von rechts die weiteren Mitglieder der Staffel Hörner Lothar, Feichtinger Hans und Reith Werner. Die andere Staffel und deren Mitglieder sind nicht bekannt. Ganz rechts außen Bademeister Alfons Böhm.

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Schwimmsport:

Zwischenzeitlich hatte sich in Niederbayern unter tatkräftiger Führung des Kreisschwimmwartes Max Weiser(+ August 2003), Passau, der Schwimmsport etabliert. Hochburg war der SV Passau im direkt unter der Feste Oberhaus gelegenen Bschütt-Freibad, das im Jahre 2004 aufgelassen wurde, weil es für Passau einfach zu klein geworden war. Aber nicht nur Passau,  auch der SV Landshut war sehr aktiv. Der SV Straubing befand sich noch im Dämmerschlaf. In Deggendorf existierte und existiert leider bis heute kein eigener Schwimmverein.  Wie weiter oben schon andeutungsweise ausgeführt, wurde  in dem 1861 gegründeten TSV Deggendorf neben  Turnen, Leichtathletik und Ringen, auch Schwimmen betrieben. Die  damalige Badekleidung dürfte der des nebenan abgebildeten ersten Olympiasiegers im Schwimmen Alfréd Hajós ähnlich gewesen sein, der  bei den Olympischen Spielen 1896 in Athen über 100 m Freistil in 1:22,2 Minuten die erste Schwimm-Olympiamedaille der Neuzeit und die erste olympische Goldmedaille für sein Heimatland Ungarn gewann (Wikipedia). Im Verein wurde 1924  dann anlässlich der Neuerrichtung der Schwimmanstalt in der Donau eine eigene Schwimmriege gegründet. 1949 gründete der Verein dann sogar eine eigene Schwimmabteilung. Von Aktivitäten ist darüber allerdings in der Festschrift  nichts ausgeführt. Sicher ist, dass die Schwimmabteilung auf jeden Fall bis Ende der  fünfziger Jahr bestanden haben musste, denn da für  die Teilnahme an Schwimmwettkämpfe eine Vereinszuge-hörigkeit erforderlich ist,  startete  ich damals noch für den TSV Deggendorf. In der Festschrift zum 150jährigen Bestehen ist eine eigene Schwimmabteilung jedoch nicht mehr aufgeführt. Der Schwimm-sport in Deggendorf wurde also auch beim TSV Deggendorf still und leise zu Grabe getragen. Deggendorf war und bleibt Schwimm-Diaspora!

Nachstehend drei Bilder von Wettkämpfen im Freibad in Deggendorf, vom Bschütt-Bad in Passau und vom Freibad in Ortenburg.
 

 

Mein schönster Erfolg waren die niederbayerischen Meisterschaften am 22. August 1954 in Passau im direkt unter der Feste Oberhaus idyllisch gelegenen Bschütt - Bad. Mir gelang es überraschend, gegen den Lokalfavoriten und Abonnementmeister Sepp Detzer aus Passau sowohl über 100 m wie über 200 m Kraul, in jeweils niederbayerischer Bestzeit mit 1:10 über 100 m und mit 2:41,8 über 200 m, zu gewinnen. Mit Sepp, blondgelockt, braungebrannt und Schwarm aller Mädchen,  verband mich eine Schwimmerfreundschaft. Er wurde später Düsenjägerpilot bei der Bundeswehr. Tragisch war, dass er, obwohl er sich zwei Mal mit dem Schleudersitz aus einem abstürzenden Düsenjäger der Bundeswehr retten konnte, dann in jungen Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Nebenan das Abiturfoto 1956 aus dem Kloster Metten.

Die Passauer Neue Presse brachte damals in der Ausgabe vom 22. August 1954 den nachstehenden Bericht des Kreisschwimmwartes Max Weiser (+) aus Passau:
 

Nachstehend vier Photos von diesem  Wettkampf.

100 m Kraul - Start und Ziel

   

200 m Kraul - Ziel und  Glückwünsche von Günther Krehbiehl (+)
 

Erfreulich aus Deggendorfer Sicht:

Auch Veit Jankowski wurde in Jugend B über 100 m Kraul in in 1:17,3 Min.  geteilter Erster. 

Marion Escherich wurde ebenfalls in der Jugend B in den Brustdisziplinen sowohl über 100 m in 1:41,8 Min., wie auch über 200 m in 3:49,0 Min., jeweils in besserer Zeit wie die Siegerin in der Jugend A, niederbayerische Meisterin.

Der Bruder von Marion Escherich, Peter Escherich (auf dem Bild nebenan ganz vorne), war ein hervorragender Kunstspringer vom 3-m Brett und konnte sich, wenn ich mich richtig erinnere, gegen seine Hauptkonkurrenten, die Gebrüder Mehlsteibl aus Eggenfelden, durchsetzen und wurde ebenfalls niederbayerischer Meister beim Kunstspringen vom 3-m Brett.

Und dies, obwohl wir in Deggendorf keinen eigenen Schwimmverein hatten und bis heute (2013 !), trotz des Wunderbades "elypso" nicht haben. Um überhaupt starten zu können, mussten wir damals dem TSV Deggendorf beitreten.


Foto von links: Günther Krehbiel (+2002),
Hans Feichtinger, Peter Escherich, Veith Jankowski,

 

Start für den Schwimmverein Landshut:

Nach diesem Erfolg nahm ich, da nach wie vor kein wirklicher Schwimmverein in Deggendorf existierte, natürlich gerne das
Angebot des Vorsitzenden des Schwimmvereins Landshut, Spitzelsberger Ludwig, für diesen Club zu starten an  und und startete nun für diesen. Hatte ich bis dahin nur eine Broschüre des damaligen Supertrainers Don Gambril aus der Kaderschmiede Long Beach, USA, als Trainingsgrundlage, so bekam ich jetzt regelmäßig Trainingspläne vom SV Landshut zugesandt. Irgendwann stellte sich dann auch der Erfolg ein, denn bei einem Schwimmfest gelang es mir, meine persönlich Bestzeit auf 1:06 über 100 m Kraul zu verbessern. Damit belegte ich in Bayern bei der Wertungsliste für Vereine ohne Winterbad -VoW -, so hieß das damals,  den zweiten Rang. Ich wurde deshalb vom Bayerischen Schwimmverband für einen Schwimm-Vergleichskampf Niederbayern - Inn-Chiemgau im Januar (!) 1954, dem Tag der Eröffnung des Eisstadions an der Edlmairstraße, im Münchener Müller-Volksbad, dem wunderschönen Jugendstil-Bad in der Nähe des Deutschen Museums, über 100m Kraul nominiert. Aber  mitten im Winter, völlig untrainiert, - Deggendorf hatte damals noch kein Hallenbad - bot ich eine miserable Leistung und ging, die wunderschöne Umgebung kläglich missachtend, sang- und klanglos "baden". Dieses wunderschöne Jugendstil-Bad hätte eigentlich eine bessere Leistung verdient gehabt!


2003 - Letztes Schwimmfest im Freibad

Nach dem Scheitern des Bürgerentscheides (siehe dort: klick) zum Erhalt des Freibades im Stadtpark beschloss der Deggendorf Stadtrat  in der Stadtratssitzung am 18. April 2000 mit den Stimmen der CSU, der Republikaner und Teilen der Freien Wähler, gegen die Stimmen der SPD, der Grünen sowie den Eheleuten Dres.Scholz von den Freien Wählern, den Bau eines Kombi-Bades in Natternberg und die Auflösung des Freibades im Stadtpark mit Ende der Badesaison 2003.

Die 2003 unter Mithilfe des Schwimmvereins Hengersberg durchgeführte Stadtmeisterschaft im Schwimmen war damit die letzte Schwimmsportveranstaltung im Freibad. Trotz eines wunderschönen Sommertages und erstaunlich vielen Besuchern, lag ein Hauch von Wehmut über der Veranstaltung. War doch jedem klar, dass es sich um ein Abschiedsveranstaltung von einem vielen Bürgern liebgewordenes Stück Deggendorf, einem Stück Deggendorf auch mit Schwimmsportgeschichte, handelte, ja einen Abschied vom Schwimmsport überhaupt, denn das Außenbecken des Kombibades in Natternberg entspricht nicht im Entferntesten den Regeln des Bayerischen Schwimmverbandes, so dass offizielle Schwimmwettkämpfe dort nicht mehr durchgeführt werden können.

Den vielen Besuchern wurde, nicht zuletzt von der Schwimmjugend und den Erwachsenen des überaus aktiven Schwimmvereins Hengersberg, teilweise hervorragender Schwimm-sport geboten.

Bei den drei Senioren war ich der Glücklichere über 100 m Kraul.

September 2003

Letztes Bild des Freibades im Stadtpark

 

Foto: Stadtarchiv

Gleich nach Beendigung der Badesaison 2003 begann die Stadt Deggendorf mit den Abbrucharbeiten. Leider wurde auch das zentrale Gebäude für die Bademeister und die technischen Anlagen zerstört, obwohl  der Bildhauer Andreas Sobek den bedenkenswerten Vorschlag machte, dieses Gebäude zu erhalten und beispielsweise für Ateliers oder als Ausstellungsraum zu nutzen. Unverständlicherweise für viele wurden auch die Umkleideräume, die Toiletten und die Duschen sofort abgerissen,  obwohl diese für die etwas weiter oben gelegene Beachvolleyballanlage, bei der entsprechende Anlagen fehlen, bestens geeignet gewesen wären. Offenbar sollte möglichst schnell tabula rasa gemacht und jede Erinnerung an ein für viele Bürger unserer Stadt liebenswertes Stück Deggendorf ausgelöscht werden.

 


Damit schließe ich meine Ausführungen. Es wäre schön, wenn ich auf Interesse gestoßen wäre. Über Anregungen, eventuell weiteres Bildmaterial aus dieser Zeit, aber auch über Hinweise zur Korrektur und Verbesserung dieser Seite würde ich mich freuen.

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